Panorama-Nachrichten – Dezember 2019

Wahres Sein
Rundbriefbeitrag von Joschua, 26 J.

Seit meinem 20. Lebensjahr habe ich meine jährliche Dienstpflicht in der Schweizer Armee zu leisten. Nach der 5-monatigen Rekrutenschule verbrachte ich drei Wochen pro Jahr im Berner Mittelland für meinen Militärdienst. Für mich ist dieser Lebensabschnitt nun auch schon wieder vorbei – mein letzter Wiederholungskurs liegt bereits hinter mir 🙂 !

Ich schätzte die Zeit in der Schweizer Armee sehr. Der Herr hat mich in genau jenes Umfeld hineingestellt, das ich gebraucht hatte. Äusserlich konnte man sich über gar nichts beklagen. Unsere Anlage steht am Rande eines idyllischen Schweizer Dorfes mit Aussicht ins Tal und auf die Berner Alpen (selbst vom Zimmer aus 🙂 ). Wir hatten Einzelduschen und Verpflegung in einer Restaurant-Kantine, ein eigenes Fitness-Center, Jogging-Möglichkeit in der Natur, usw. Ich bin bei den strategischen Funkaufklärern gelandet, welche in einer streng bewachten Sicherheitsanlage ihren Dienst zu leisten hatten. Jedes Jahr waren wir eine neu zusammengewürfelte, bunte Truppe – bestehend aus angehenden oder bereits tätigen Ingenieuren, Bankern, Ärzten, Rechtsanwälten, Archäologen, Physikern usw. – also alles sehr gebildete Menschen. In den Jahren meiner Dienstleistung litt ich immer wieder an einer krassen Unbedürftigkeit und Sattheit meiner Militärkollegen, die schwer in der Atmosphäre lagen. Jedes Gespräch über Aufklärungsthemen entgleiste sehr schnell in kopflastige Diskussionen mit unzähligen Nebenschauplätzen. Es wurde mir oft zu einer schier untragbaren Last, dass sich die Herzen nur sehr schwer erreichen liessen. Einmal musste ich mich vor dem Kommandanten verteidigen, da jemand Anstoss daran nahm, dass ich vor jedem Essen kurz betete (lautlos). Leider warfen mich diese Widerstände und Gegenwinde innerlich oft ziemlich auf mich zurück. Vor meinem diesjährigen Wiederholungskurs war meine Vision, dass ich ganz ohne eigene Vorstellungen, was der Herr wirken sollte, Dienst leisten darf. Mein Wunsch war, das „Wahre Sein“ zu leben – einfach entspannt mitzufliessen und so zu sein, wie der Herr in mir ist, ohne Krampf. Darüber predigte Papa auch an der Schwarm-Power-Konferenz (sasek.tv/schwarmpower) „Wer mitfliesst, wird zu einem reissenden Strom des Lebens, das ist die Weise Gottes“ (Hes. 37)! Je schwächer du wirst, desto mehr lässt du los und merkst, dass Gottes Urquellen in dir hervorbrechen.“

Ich stellte gerade zu Beginn dieser Militärzeit fest, dass mich all die neuen Gesichter schon kannten, bevor ich sie kannte. Man wusste bereits, dass ich derjenige bin, der betet und wenn mich ein Kollege mal alleine antraf, kamen neugierige Fragen, z.B. was ich genau vor dem Essen bete und wie wichtig es doch sei, dankbar zu sein usw. Mir wurde plötzlich klar, dass sich in den letzten Jahren doch viel mehr getan und herumgesprochen hatte, als ich realisierte – denn während meiner gesamten Armeezeit bezog ich immer wieder Stellung gegen unreines Gerede, Medienlügen usw. Einige hatten dem gegenüber zwar leider ihr Herz verschlossen, doch das hat gar nichts mit mir zu tun! Ich war richtig froh, durfte ich einfach loslassen und die Zeiten am frühen Morgen mit dem Herrn geniessen, Gebetsspaziergänge machen, nebenbei an einem Lied für die AZK arbeiten – ohne den inneren Druck, dass ich hier etwas bewegen müsse. Einmal machte ich mir einen Spass daraus, mit einem sehr kopflastigen Menschen über Mobilfunk und 5G zu sprechen. Da wir den ganzen Sommer hinweg Infoabende veranstalteten, war es mir leicht möglich, ihn mit technischen Fakten aufs Glatteis zu führen … 🙂 Denn solch studierte Leute „verzapfen“ gerne auch mal Dinge, die sie irgendwo aufgeschnappt haben, bevor sie zugeben, dass sie sich nicht wirklich informiert haben 🙂 .Wieder ein anderer gab in einem tiefen Gespräch von selbst zu, dass er ein absoluter Egoist sei und bewundere, was ich alles tue … So blicke ich auf eine entspannte letzte Dienstzeit zurück!

Was mich dabei am meisten freut, ist zu sehen, wie der Herr gerade ohne unser krampfhaftes Hinzutun in den Menschen wirkt. Wenn wir innerlich wieder in die „Mitte“ finden, in das Wahre Sein, werden die Menschen wieder uns nachrennen und nicht wir ihnen. Das erlebe ich seit einiger Zeit auch immer wieder, wenn ich z.B. sonst wo unterwegs bin. Ohne dass ich es suche, lande ich mit irgendwelchen Verkäufern o.ä. in tiefen Gesprächen über die Weltlage, warum ich kein Handy habe usw. – einfach, weil ich innerlich offen und im Wahren Sein lebe … das macht grosse Freude! Danke Jesus, dass Dein Reich uns trägt und nicht wir Dein Reich tragen müssen!

Euer Joschua

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